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Der vollständige Text der Freitagsansprache, strukturiert und durchsuchbar.
Zusammenfassung
Die wichtigsten Punkte kompakt zusammengefasst (Deutsch & Urdu).
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Freitagsansprache mit deutscher Übersetzung als Audio sowie Subtitles
MTA GermanyDeutsche Übersetzung
In der Freitagsansprache vom 22. Mai 2026 sagte Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA:
In der letzten Ansprache wurden die Aspekte der Bescheidenheit und Demut im Leben des Heiligen ProphetenSAW behandelt. Auch heute wird dieses Thema fortgesetzt. Das Ausmaß seiner Demut pflegte er anhand alltäglicher Kleinigkeiten zum Ausdruck zu bringen. So wird von Hadhrat Yahya bin Abi Kathir überliefert, dass der Gesandte AllahsSAW sagte: „Ich esse genauso, wie ein Sklave isst, und ich sitze genauso, wie ein Sklave sitzt, denn auch ich bin nur ein Diener.“ Das bedeutet, dass mir der Hochmut, die Selbstbezogenheit und die Zurschaustellung von Anführern und Reichen nicht innewohnen.
Das Wirken Allahs und die Vergänglichkeit weltlicher Erhöhung
Ebenso gibt es eine Überlieferung von Hadhrat Anas, dass der Gesandte AllahsSAW eine Kamelstute namens Adhba besaß, die so schnell war, dass kein anderes Kamel sie überholen konnte. Ein Beduine kam auf einem jungen Kamel angeritten, und in einem Wettrennen überholte dieses Kamel die Adhba. Es missfiel den Muslimen sehr, dass Adhba zurückgeblieben war und er sie überholt hatte. Sie waren der Ansicht, dass er sein Kamel hätte aufhalten sollen, selbst wenn Adhba im Begriff war, überholt zu werden, da es sich um die Kamelstute des Gesandten AllahsSAW handelte.
Jedenfalls sagte der Gesandte AllahsSAW zu ihrem Verhalten: „Es ist das Recht Allahs, dass Er das, was Er in dieser Welt erhöht, auch wieder herabsetzt.“ Darin gibt es keinen Grund für Verärgerung, denn dies ist das Wirken Allahs. Dinge, die aufsteigen, kommen auch wieder herunter. Gewöhnliche Menschen verspüren bei solchen Anlässen Neid, doch der ProphetSAW hatte stets das Wesen Allahs vor Augen und wollte der Welt ausschließlich Seine Überlegenheit aufzeigen. Mit welch großer Demut er doch erklärte, dass es keinerlei Grund zur Verärgerung gebe. Das sei absolut unnötig, da hierdurch vielmehr die Erhabenheit Allahs offenbar werde.
Demut in der Bitte um Gebete
Ein weiteres Beispiel für Demut schildert Hadhrat Umar: „Ich bat den ProphetenSAW um die Erlaubnis, die Umra durchzuführen. Er erteilte mir die Erlaubnis und sagte: ‚O mein Bruder, vergiss mich nicht in deinen Gebeten.‘“ Hadhrat Umar berichtet weiter: „Der ProphetSAW sprach damit etwas aus, für das ich nicht einmal dann eine größere Freude empfunden hätte, wenn mir im Gegenzug die ganze Welt gegeben worden wäre.“ Allah hat es zur Pflicht gemacht, Durood auf den ProphetenSAW zu senden, und hat dies als Voraussetzung für die Erhörung von Gebeten festgelegt. Doch es zeugt von der allerhöchsten Demut, dass er einen seiner Anhänger bat, für ihn zu beten.
Die Würde der Arbeit und praktische Hilfe
Er hielt es auch nicht für unter seiner Würde, irgendeine Arbeit zu verrichten. Selbst die kleinsten Aufgaben erledigte er selbst, um sie anderen nicht nur zu zeigen, sondern sie auch andere zu lehren. So berichtet Hadhrat Abu Said Khudri in einer Überlieferung, dass der ProphetSAW an einem Jungen vorbeikam. Dieser war gerade dabei, einem Schaf das Fell abzuziehen. Er schob ihn beiseite und sagte: „Tritt zurück, damit ich dir die richtige Methode zeige, denn es scheint mir nicht, dass du im Häuten geschickt bist.“ Daraufhin führte er seine Hand zwischen das Fell und das Fleisch und schob sie so tief hinein, sodass sie bis zur Achsel verschwand. Dann sagte er: „Mach es so. O Junge, auf diese Weise zieht man das Fell ab.“ Er nahm ihm die Arbeit ab und brachte es ihm gleichzeitig bei.
Eine weitere Überlieferung schildert, wie erSAW voller Demut Arbeiten für andere verrichtete. Die Tochter von Hadhrat Khabbab berichtet, dass sie mit einer Ziege zum Gesandten AllahsSAW kam, damit sie gemolken würde. Er band sie fest und molk sie. Dann sagte er: „Bringe mir dein großes Gefäß.“ Sie hatte bereits ein Gefäß gebracht, doch er sagte: „Nein, bringe ein noch größeres Gefäß.“ Sie sagte: „Also brachte ich ein großes Gefäß, und er molk so viel Milch hinein, bis es voll war. Danach sagte er: ‚Trink selbst davon und gib auch deinen Nachbarn zu trinken.‘“ Sicherlich war er sich bewusst, dass die Milch durch den Segen seines Gebetes außergewöhnlich vermehrt worden war, weshalb er anordnete, diesen Segen auch mit anderen zu teilen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die doppelte Menge an Milch aus der Ziege gemolken.
Vorbildliches Verhalten im Umgang mit Mitmenschen
Auch in Bezug auf das Grüßen und das Verhalten bei Versammlungen finden wir Beispiele für seine Demut und seine erhabenen moralischen Eigenschaften. So berichtet Hadhrat Anas bin Malik, dass der ProphetSAW, wenn jemand zu ihm trat, diesem die Hand reichte. Dabei zog er seine Hand niemals zurück, bevor die Person selbst ihre Hand zurückzog. Auch wandte erSAW sein gesegnetes Gesicht niemals ab, bis die andere Person sich selbst abwandte. Zudem wurde er nie dabei beobachtet, wie er vor seinem Sitznachbarn die Knie ausstreckte.
In einer Überlieferung von Hadhrat Abu Muthanna Amluki heißt es, dass der Gesandte AllahsSAW und die ProphetenAS vor ihmSAW sich beim Gehen auf einen Stab stützten. Dieser Stab diente nicht dazu, Respekt einzuflößen oder Erhabenheit zu demonstrieren, sondern war vielmehr ein Ausdruck der Demut und Bescheidenheit vor Allah, dem Erhabenen. Und die Demut des Heiligen ProphetenSAW übertraf die aller anderen. Darüber hinaus lehrte erSAW Demut auf eine äußerst weise Art und Weise.
So berichtet Ibn Hazm, dass sich vor dem Gesandten AllahsSAW Kamelhirten und Ziegenhirten gegenseitig mit ihrem Stolz überboten. Jeder prahlte; die Kamelbesitzer, die mehr Kamele hatten, behaupteten: „Wir sind höhergestellt als ihr und verfügen über größeren Reichtum.“ Die Ziegenbesitzer hielten dagegen: „Wir sind mehr.“ Als diese Auseinandersetzung stattfand, begab sich der Gesandte AllahsSAW dorthin und sagte: „Moses wurde als Prophet gesandt und hütete Ziegen. David wurde als Prophet gesandt und hütete Ziegen. Auch ich wurde als Prophet gesandt und pflegte die Ziegen meiner Familie am Ort Ajyad zu hüten.“ Damit gab er den Prahlenden eine Ermahnung und spendete gleichzeitig jenen Trost, denen gegenüber man sich überheblich verhielt, also den Ziegenhirten, die herabgewürdigt wurden. Die Erwähnung von Ajyad bezieht sich auf einen Ort in Mekka nahe Safa, der auch Jiyad genannt wird. Es gab keinerlei Stolz in ihm.
Die Begegnung mit Zahir: Wahre Werte vor Allah
Auch den Armen begegnete er in Demut und sprach ihnen Trost zu. So wird von Hadhrat Anas bin Malik berichtet, dass es unter den Wüstenbewohnern – also den Dorfbewohnern – einen Mann namens Zahir gab. Er pflegte für den Heiligen ProphetenSAW ländliche Geschenke mitzubringen, die dort üblich waren. Und wenn er aufbrach, verabschiedete ihn der Heilige ProphetSAW stets mit reichlich Proviant und Gütern. Der Heilige ProphetSAW pflegte zu sagen: „Zahir ist unser Beduinenfreund – also unser ländlicher Freund – und wir sind seine städtischen Freunde.“
Eines Tages bot Zahir auf dem Markt einige seiner Waren zum Verkauf an, als der Heilige ProphetSAW herantrat und ihn von hinten umarmte. Hadhrat ZahirRA konnte seine Heiligkeit nicht sehen und rief: „Wer ist das? Lass mich los!“ Doch als er sich umblickte und den Heiligen ProphetenSAW erkannte, begann er, seinen Rücken noch enger an die gesegnete Brust des ProphetenSAW zu drücken. Der Heilige ProphetSAW rief sodann aus: „Wer kauft diesen Sklaven?“ Hadhrat ZahirRA erwiderte: „O Gesandter Allahs, in diesem Fall werden Sie an mir ein Verlustgeschäft machen. Wer sollte mich schon kaufen?“ Daraufhin entgegnete der Heilige ProphetSAW: „Bei Allah bist du jedoch kein Verlustgeschäft“, oder er sagte: „Vor Allah bist du überaus wertvoll.“
Hadhrat Musleh Mau'udRA erwähnte dieses Ereignis in einer Freitagsansprache und schilderte es wie folgt: Ein Gefährte des Heiligen ProphetenSAW sah aufgrund eines angeborenen Mangels sehr unansehnlich aus, hatte also kein schönes Äußeres. Zudem war er extrem arm; sein Körper und seine Kleidung waren staubbedeckt. In diesem schweißgebadeten Zustand verkaufte er auf dem Markt einige Waren. Dieser Gefährte besaß jedoch etwas, das im Herzen des Heiligen ProphetenSAW von hohem Wert war. ErSAW schätzte ihn sehr. In diesem Zustand, in dem er sich vermutlich sogar selbst zuwider war und dachte: „Ich bin völlig schweißgebadet und voller Staub“, und vielleicht auch verlegen war, geschah Folgendes: Zu diesem Zeitpunkt trat seine HeiligkeitSAW von hinten an ihn heran und hielt ihm, wie man es im Spiel mit Kindern tut, mit den Händen die Augen zu.
Durch Ertasten erkannte er sofort, dass es die Hände seiner HeiligkeitSAW waren, denn der Körper seiner HeiligkeitSAW war kaum oder gar nicht behaart und zudem außerordentlich weich. Daraufhin begann auch er aus Liebe seinen eigenen Körper an dem seiner HeiligkeitSAW zu reiben. Obwohl der Körper und die Kleidung seiner HeiligkeitSAW dadurch schmutzig wurden, nahm erSAW es ihm nicht im Geringsten übel. Seine HeiligkeitSAW legte die Hand auf ihn und rief: „Dies ist mein Sklave. Gibt es jemanden, der ihn kauft?“ Davon war er so ergriffen – gemeint ist der Gefährte –, dass sein Herz überfloss und er zum ProphetenSAW sagte: „Mein Herr, dies ist eine nutzlose und wertlose Sache. Wer würde sie kaufen?“ Der Heilige ProphetSAW erwiderte: „Ganz und gar nicht. In den Augen Allahs ist ihr Wert immens.“
Beschreibungen des gesegneten Äußeren und Charakters
Hadhrat Hassan bin Ali beschrieb an einer Stelle den erhabenen Charakter, die demütige und würdevolle Umgangsform mit den Menschen sowie die Ehrfurcht gebietende Erscheinung des ProphetenSAW. Er berichtet: „Ich fragte meinen Onkel mütterlicherseits, Hind bin Abi Hala, nach dem gesegneten Äußeren des Gesandten AllahsSAW. Er pflegte die äußere Erscheinung des ProphetenSAW auf vortreffliche Weise zu beschreiben, und ich wünschte, dass er mir etwas darüber erzählte. Daraufhin sagte er, dass der Gesandte AllahsSAW von ehrfurchtgebietender und schöner Gestalt war. Sein gesegnetes Gesicht leuchtete wie der Vollmond. Dann überlieferte er den vollständigen Hadith. Er schilderte alle Details.“
Hadhrat HassanRA erzählt weiter: „Ich hielt diese Überlieferung eine Zeit lang vor Hadhrat Hussain geheim. Als ich ihm dann alle Informationen mitteilte, die er (der Onkel) mir gegeben hatte, erfuhr ich, dass er mir in dieser Angelegenheit bereits zuvorgekommen war. Er hatte ihn schon vor mir über all das befragt, was auch ich ihn gefragt hatte. Zudem stellte sich heraus, dass er sogar seinen Vater über das Kommen und Gehen des Heiligen ProphetenSAW im Haus sowie über dessen äußeres Erscheinungsbild ausgefragt und dabei kein einziges Detail ausgelassen hatte.“
Die häusliche Zeiteinteilung und der Dienst an der Umma
Hadhrat Imam Hussain berichtet: „Ich fragte meinen Vater, wie sich der Gesandte AllahsSAW verhielt, wenn er das Haus betrat. Die vorherigen Beschreibungen betrafen das Verhalten außerhalb, doch als ich Hadhrat Ali nach den innerhäuslichen Angelegenheiten fragte, sagte er: ‚Wenn der Heilige ProphetSAW nach Hause kam, teilte er seine Zeit zu Hause in drei Teile ein. Einen Teil widmete er Allah, dem Erhabenen, einen Teil seiner Familie und einen Teil sich selbst. Seinen eigenen Teil wiederum teilte er zwischen sich und den Menschen auf. Dabei übermittelte er durch ausgewählte Gefährten den einfachen Menschen religiöse Lehren und hielt nichts vor ihnen zurück.
In seiner Biographie sah die Zeiteinteilung für die Umma so aus, dass er den verdienstvollen Mitgliedern der Umma den Vorrang bei der Gewährung einer Audienz einräumte, und zwar gestaffelt nach ihrem Rang in religiösen Belangen. Einige von ihnen hatten ein Anliegen, andere zwei, und wieder andere viele. Er beschäftigte sich eingehend mit der Erfüllung ihrer Bedürfnisse. Auf ihre Fragen hin betraute er sie mit Aufgaben, die zu ihrer eigenen Reform und der der gesamten Umma beitragen sollten, und wies auf Dinge hin, die für sie von Nutzen waren. Er pflegte zu sagen: ‚Diejenigen unter euch, die anwesend sind, sollen diese Lehren an die Abwesenden weitergeben. Und übermittelt mir das Anliegen derer, die nicht in der Lage sind, es selbst vorzubringen. Denn wer das Bedürfnis eines Menschen, der es selbst nicht übermitteln kann, an einen Verantwortlichen heranträgt, dem wird Allah am Tage des Jüngsten Gerichts Standhaftigkeit verleihen.‘
Darin liegt auch eine Lektion für Amtsträger, die an verschiedenen Orten eingesetzt sind: Sie sollten die Anliegen der Bedürftigen stets an die Zentrale weiterleiten. Bei ihmSAW wurden genau solche Themen besprochen, und er akzeptierte von niemandem ein anderes Ansinnen. Die Menschen kamen als Suchende zu ihm und gingen niemals, ohne etwas empfangen zu haben, und sie verließen ihn stets als solche, die zum Guten anleiten.‘“
Er – also Hadhrat Imam HussainRA – berichtet weiter: „Dann fragte ich meinen Vater nach dem Verhalten des Heiligen ProphetenSAW, wenn er das Haus verließ. Was tat er in dieser Zeit? Er antwortete: ‚Der Gesandte AllahsSAW sprach nur dann, wenn es einen Sinn hatte. Er verband die Herzen der Gefährten und schreckte sie niemals ab.‘ Er ehrte die angesehenen Persönlichkeiten jedes Volkes und setzte sie als Verwalter über ihre Leute ein. Er mahnte die Menschen zur Wachsamkeit und übte selbst Vorsicht ihnen gegenüber, ohne dass dies seiner stets fröhlichen und freundlichen Art im Umgang mit ihnen den geringsten Abbruch getan hätte.‘“
Das heißt, er warnte zwar, wenn Zweifel bezüglich einer Person bestanden, aber niemals auf eine Weise, die sein persönliches Verhalten verändert hätte. Vielmehr begegnete er jedem mit vortrefflichen Sitten. Natürlich ließ er dort Vorsicht walten, wo es geboten war, denn unter den Leuten, die man trifft, gibt es auch zwielichtige Personen.
„‚Er achtete auf seine Gefährten und erkundigte sich bei den Leuten nach dem Befinden der Menschen. Gutes lobte er und bestärkte es, während er Schlechtes als solches aufzeigte und dessen Einfluss brach. In allen Angelegenheiten wahrte er den Mittelweg und war frei von Widersprüchen. Er ließ niemals Nachlässigkeit aufkommen, damit die Menschen nicht unachtsam oder mutlos wurden. Er war auf jede Situation vorbereitet; wirklich auf alles gefasst. Er blieb weder hinter dem Rechten zurück, noch überschritt er dessen Grenzen. Er tat stets genau das, was das Recht erforderte. Diejenigen Menschen standen ihm am nächsten, die die Besten waren. Den höchsten Rang genoss bei ihm derjenige, der das größte Wohlwollen für alle hegte. Und die höchste Stufe besaß bei ihm jener, der anderen gegenüber die größte Anteilnahme und Hilfsbereitschaft zeigte.‘“ Die höchste Stufe hat also derjenige inne, der mit den Menschen Mitgefühl zeigt und ihnen beisteht. Wer darin herausragte, stand ihm am nächsten, und er schätzte ihn sehr.
Die Atmosphäre in den Versammlungen des Propheten
Hadhrat Imam HussainRA erzählt weiter: „Dann fragte ich nach der Zusammenkunft des Heiligen ProphetenSAW, und er antwortete: ‚Er gedachte (stets) Allahs beim Aufstehen und beim Hinsetzen. Wenn er zu einer Gruppe kam, setzte er sich stets dorthin, wo die Versammlung endete, und genau das ordnete er auch anderen an. Jedem seiner Begleiter gab er sein Recht, sodass niemand auf den Gedanken kam, ein anderer sei angesehener als er selbst. Wenn sich jemand zu ihm setzte, um ihm ein Anliegen vorzutragen, widmete er ihm seine volle Aufmerksamkeit, bis die Person von sich aus wieder aufstand und ging. Wenn jemand ihn um die Erfüllung eines Bedürfnisses bat, schickte er ihn niemals zurück, ohne ihm entweder etwas zu geben oder auf sanfte Weise mit ihm zu sprechen.‘“
Wer mit einem Anliegen kam, dem gab er etwas, und wenn er dazu nicht in der Lage war, antwortete er auf äußerst milde Art. „‚Sein fröhliches Wesen, seine Großzügigkeit und seine vortrefflichen Sitten galten allen. Er war für sie zu einer Vaterfigur geworden. In Bezug auf Rechte waren bei ihm alle gleich. Seine Versammlung war eine Versammlung des Wissens, der Bescheidenheit, der Geduld und der Vertrauenswürdigkeit. Darin wurden niemals Stimmen erhoben, keine ehrwürdigen Dinge entwürdigt und nicht die Schwächen anderer preisgegeben. Alle waren untereinander gleich und unterschieden sich lediglich durch ihre Rechtschaffenheit (Taqwa).‘“
Heutzutage werden oft gegenseitig Schwächen bloßgestellt – das gab es in seiner Versammlung niemals. „‚Man begegnete sich in Demut, ehrte die Älteren, hatte Erbarmen mit den Jüngeren, gab dem Bedürftigen den Vorrang und kümmerte sich um den Fremden.‘“ Es war nicht so, dass einem Fremden nichts gegeben wurde. Auch um ihn kümmerte man sich aufmerksam.
Erhabene Abgeschiedenheit und göttliche Erwählung
Der Verheißene MessiasAS sagt: „Menschen, die sich der Zufriedenheit Allahs hingegeben haben, begehren keine Ränge oder Führungspositionen. Sie ziehen das Zurückgezogensein und den Genuss des einsamen Gebets solchen Rängen vor. Doch Allah, der Erhabene, zieht sie regelrecht hervor und erweckt sie zur Besserung der Menschheit. Auch unser Heiliger ProphetSAW pflegte sich in der Höhle aufzuhalten und wünschte nicht, dass irgendjemand von ihm Kenntnis nahm. Letztlich führte Allah, der Erhabene, ihn hinaus und übertrug ihm die Bürde, der Welt Rechtleitung zu bringen.
Tausende von Dichtern kamen zum Heiligen ProphetenSAW und rezitierten Gedichte zu seinem Lob. Verflucht ist jedoch das Herz, das meint, der Heilige ProphetSAW habe sich aufgrund dieser Lobpreisungen aufgeblasen, sich also darüber gefreut. Er betrachtete solches Lob vielmehr wie einen toten Wurm. Wahres Lob ist jenes, das Gott vom Himmel herab ausspricht. Solche Menschen sind gänzlich in der persönlichen Liebe zu Gott versunken; sie kümmern sich nicht um das Lob und die Anerkennung der Welt. Diese Stufe ist von solcher Art, dass Gott vom Himmel und vom Thron herab ihr Lob verkündet.“
Gastfreundschaft und grenzenlose Selbstlosigkeit
Weiterhin sagt der Verheißene MessiasAS: „Ein christlicher Mann kam zu unserem ProphetenSAW. Der ProphetSAW erwies ihm große Gastfreundschaft. Er war sehr hungrig, und der ProphetSAW ließ ihn so viel essen, dass er völlig satt wurde. Für die Nacht überließ er ihm seine eigene Decke. Als der Gast einschlief, erleit er einen so heftigen Durchfall, dass er ihn nicht zurückhalten konnte und die Decke beschmutzte. Am Morgen dachte er: ‚Er (der ProphetSAW) wird sich beim Anblick meines Zustands ekeln.‘ Vor lauter Scham machte er sich davon.
Als die Leute es sahen, berichteten sie dem ProphetenSAW, dass der christliche Gast die Decke verunreinigt und seinen Durchfall verschmiert habe. Der ProphetSAW erwiderte: ‚Gebt sie mir, damit ich sie waschen kann.‘ Die Leute sagten: ‚O ProphetSAW, warum sollten Sie das durchmachen? Wir sind doch hier und werden sie reinigen.‘ Der Heilige ProphetSAW aber antwortete: ‚Er war mein Gast, deshalb ist es meine Aufgabe.‘ Er stand auf, ließ Wasser bringen und begann selbst, sie zu säubern. In äußerster Demut reinigte er den Schmutz seines Gastes.
Als der Christ bereits etwa eine Meile weit gegangen war, fiel ihm ein, dass er sein goldenes Kreuz auf dem Bett vergessen hatte. Er kehrte zurück und sah, dass der ProphetSAW die Exkremente selbst von der Decke wusch. Ihn überkam Reue und er sagte sich: ‚Hätte ich dies reinigen müssen, ich hätte es niemals gewaschen.‘ Er realisierte: ‚Das macht es deutlich: Ein Mensch, der so viel Selbstlosigkeit und Demut besitzt, muss wahrlich von Allah, dem Erhabenen, gesandt sein.‘ Aufgrund dieser Tat des ProphetenSAW nahm er den Islam an.“
Demut bei der ersten Offenbarung und im Alltag
Auch bei der ersten Offenbarung, die der Heilige ProphetSAW empfing, zeigte sich seine Demut und Bescheidenheit. Hadhrat Musleh Mau'udRA beschreibt das Ereignis in der Höhle Hira und sagt: „Die allererste Offenbarung wurde in der Höhle Hira herabgesandt, als GabrielAS dem Gesandten AllahsSAW erschien und sagte: اِقْرَأْ, also: ‚Lies‘. Als Antwort darauf sagte der Gesandte AllahsSAW: مَا اَنَا بِقَارِئٍ – ‚Ich kann nicht lesen.‘ Was er meinte, war, dass ihm diese Bürde nicht auferlegt werden solle, denn zu jenem Zeitpunkt lag kein Buch vor ihm, das erSAW hätte lesen sollen. Vielmehr sollte er das, was Gabriel ihm vorgab, mündlich wiederholen. Das hätte erSAW zweifellos tun können, doch er drückte seine tiefe Demut aus.
Da Allah, der Erhabene, jedoch genau ihnSAW für diese Aufgabe auserwählt hatte, wurde er wiederholt aufgefordert: ‚Lies‘. Als er schließlich zum dritten Mal aufgefordert wurde, las er, und der Engel ließ ihn diesen Vers rezitieren: اِقۡرَاۡ بِاسۡمِ رَبِّکَ الَّذِیۡ خَلَقَ – „Lies im Namen deines Herrn, der erschuf.“
Im Zusammenhang mit dieser Begebenheit schreibt Hadhrat Musleh Mau'udRA an einer anderen Stelle in seiner Exegese – in Tafsir-e Kabir, es scheint bei der Auslegung der Sure Al-Kauthar zu sein: „ErSAW erbrachte einen außergewöhnlichen Beweis für seine Demut, als die Offenbarung auf ihn herabgesandt wurde. Wir sehen, dass andere Menschen, wenn sie eine Offenbarung empfangen oder einen Traum haben, sogleich zu den Leuten eilen und ihnen erzählen: ‚Ich habe diese Offenbarung erhalten und diesen Traum gesehen.‘ Doch zum ProphetenSAW kommt Gabriel und fordert ihn auf: اِقْرَأْ – ‚Lies‘, woraufhin erSAW erwidert: مَا اَنَا بِقَارِئٍ – ‚Ich kann gar nicht lesen.‘ Dreimal wiederholte er das. Doch als er erkannte, dass vonseiten Allahs darauf bestanden wurde, kam er dem Befehl nach, und zwar mit solchem Mut, dass er nicht wie Hadhrat MosesAS darum bat: ‚Mein Herr, gib mir einen weiteren Begleiter‘, sondern nahm diese Last ganz allein auf sich und bat nicht um einen Gefährten zur Unterstützung.“
Hadhrat Musleh Mau'udRA sagt weiter: „Ein weiteres Beispiel für seine Demut ist folgendes: Eines Tages erkrankte ein Ansari, und der ProphetSAW suchte ihn auf, um sich um ihn zu kümmern. Für den Rückweg stellte ihm dieser Ansari ein Pferd als Reittier zur Verfügung und wies seinen Sohn an: ‚Begleite den Gesandten AllahsSAW. Vielleicht fällt es ihm schwer, jemand anderen zu finden.‘ Das bedeutet, falls sich kein anderer Weggefährte finden würde. ‚Und bring das Pferd auf dem Rückweg wieder mit.‘ Nach kurzer Zeit kehrte der Sohn zurück. Der Vater fragte ihn: ‚Ich hatte dich doch mit dem Gesandten AllahsSAW geschickt, damit sein Schutz auf dem Weg gewährleistet ist und das Pferd nicht scheut. Warum bist du schon zurück?‘ Der Sohn antwortete: ‚Ich war gezwungen zurückzukehren. Als der Gesandte AllahsSAW nach draußen trat, sagte er zu mir: Setz dich hinter mich. Ich erwiderte: ‚O Gesandter Allahs, zu solch einer Respektlosigkeit bin ich nicht in der Lage.‘ Da sagte er: ‚Dann kann ich es ebenso wenig ertragen, dass du zu Fuß gehst, während ich auf dem Pferd reite. Entweder reite mit mir auf dem Pferd, oder kehre nach Hause zurück.‘ So berichtet der Sohn: ‚Da bin ich wieder zurückgekommen, weil ich dies für besser hielt, und der Heilige ProphetSAW ritt allein auf dem Pferd davon.‘“
Genügsamkeit und die Loslösung vom Weltlichen
In einer Überlieferung berichtet Hadhrat AbdullahRA, dass der Gesandte AllahsSAW auf einer Matte schlief. Als er aufstand, waren die Abdrücke der Matte auf seiner Seite zu sehen. Da sagte er: „O Gesandter AllahsSAW, sollen wir Ihnen nicht ein Bett bereiten?“ Er antwortete: „Was habe ich mit der Welt zu schaffen?“ – Wir können Ihnen ein weiches Bett bereiten. – ErSAW sagte: „Was habe ich mit der Welt zu schaffen? Ich bin doch nur wie ein Reiter, der im Schatten eines Baumes rastet und dann weiterzieht und ihn verlässt.“
In Sahih Bukhari gibt es eine Überlieferung von Hadhrat Umar. Er berichtet: „Einmal suchte ich den ProphetenSAW auf. Er befand sich in seinem oberen Zimmer und lag auf einer Matte. Zwischen ihm und der Matte lag nichts anderes. Unter seinem Kopf befand sich ein Kissen aus Leder, das mit den Fasern von Dattelpalmen gefüllt war. An seinen Füßen lag ein Haufen Blätter vom Akazienbaum, und in der Nähe seines Kopfes hingen ungegerbte Tierhäute. Ich sah auch die Abdrücke der Matte auf seiner Seite.“ Die Matte, die dort ausgebreitet war, oder die Strohmatte, was auch immer es war – „als ich das sah, begann ich zu weinen. Er fragte: ‚Was bringt dich zum Weinen?‘ Ich antwortete: ‚O Gesandter AllahsSAW, Der persische König und der römische Kaiser leben in unermesslichem Luxus, und Sie sind der Gesandte Allahs.‘ Er erwiderte: ‚Bist du denn nicht zufrieden damit, dass sie die Welt erhalten und wir das Jenseits?‘“
Der Verheißene MessiasAS beschreibt ebenjenes Ereignis und sagt: „Die weltliche Enthaltsamkeit des Heiligen ProphetenSAW war so geartet, dass Hadhrat Umar ihn einmal aufsuchte. Er schickte einen Jungen voraus, um um Einlass zu bitten. Der Heilige ProphetSAW lag auf einer Matte aus Dattelpalmen. Als Hadhrat Umar eintrat, setzte sich der ProphetSAW auf. Hadhrat Umar bemerkte, dass der Raum völlig leer war und es keinerlei schmückende Einrichtung gab. An einem Pflock hing ein Schwert, und da war jene Matte, auf der erSAW gelegen hatte, deren Abdrücke sich genau so auf seinem Rücken, seinem gesegneten Rücken, abgezeichnet hatten.
Bei diesem Anblick begann Hadhrat Umar zu weinen. Der ProphetSAW fragte: ‚O Umar, was hat dich zum Weinen gebracht?‘ Umar antwortete: ‚der persische König und der römische Kaiser verfügen über alle Mittel des Luxus, während Sie, der Gesandte Allahs und König beider Welten, in einem solchen Zustand leben!‘ Der Heilige ProphetSAW entgegnete: ‚O Umar, was habe ich mit der Welt zu schaffen? Ich lebe wie jener Reisende, der auf einem Kamel reitend sein Ziel ansteuert. Der Weg führt durch die Wüste, und wegen der immensen Hitze erblickt er einen Baum, rastet in dessen Schatten, und sobald sein Schweiß auch nur ein wenig getrocknet ist, zieht er weiter.‘“
Milde gegenüber Harschen und Gerechtigkeit in der Schuld
Auch gegenüber schlecht erzogenen Menschen zeigte er stets Milde und die erhabenen Eigenschaften der Demut. Hadhrat Abu HurairaRA überliefert, dass ein Mann zum Gesandten AllahsSAW kam, um sein Recht einzufordern, und dabei einen sehr harschen Ton anschlug. Die Gefährten waren darüber verärgert, doch der Gesandte AllahsSAW sagte: „Lasst ihn, denn derjenige, der im Recht ist, darf das Wort ergreifen. Da ich ihm schließlich sein Recht gewähren muss, hat er jedes Recht, so zu sprechen. Kauft ein Kamel für ihn und gebt es ihm.“
Kauft also für den, der gekommen war, um seine Schulden einzutreiben, ein Kamel und gebt es ihm. Die Gefährten sagten: „Wir können kein Kamel finden, das seinem Kamel entspricht; es gibt nur Kamele, die weitaus wertvoller sind.“ Es gab also nur noch bessere. Da sagte erSAW: „Dann kauft ein solches und gebt es ihm, denn der Beste unter euch ist derjenige, der seine Schulden auf die beste Weise begleicht.“ Heutzutage entstehen manchmal Streitigkeiten, weil Menschen nicht einmal die eigentliche Schuld zurückzahlen wollen und stattdessen darum streiten, den Betrag sogar noch zu reduzieren. Wenn wir diese Lehren verinnerlichen würden, könnten viele unserer Konflikte beendet werden.
Ein weiteres Beispiel für seine Demut findet sich während der Eroberung von Mekka. Als der Heilige ProphetSAW die Heilige Moschee betrat, brachte Hadhrat Abu BakrRA seinen Vater zum Heiligen ProphetenSAW. Als der Heilige ProphetSAW ihn erblickte, sagte er: „O Abu Bakr, du hättest diesen betagten, alten Mann doch zu Hause lassen sollen. Ich wäre selbst zu ihm gekommen.“ Daraufhin entgegnete Hadhrat Abu BakrRA: „O Gesandter Allahs, es steht ihm vielmehr zu, vor Sie zu treten, anstatt dass Sie ihn aufsuchen.“ Hadhrat Abu BakrRA ließ ihn vor dem Heiligen ProphetenSAW Platz nehmen. Der Heilige ProphetSAW strich ihm über die Brust und sagte: „Nehmen Sie den Islam an, und Sie werden Sicherheit finden.“ Daraufhin nahm Abu Quhafa den Islam an.
Schlichtheit im Alltag und gesundheitliche Weisheit
Es gibt auch eine Überlieferung von Hadhrat HassanRA bezüglich des bescheidenen Lebens des Heiligen ProphetenSAW zu Hause: Die Türen des Heiligen ProphetenSAW standen für alle offen. Weder stand ein Türsteher für ihn Wache, noch wurden ihm morgens und abends Speisen in riesigen Gefäßen serviert – das heißt, es wurden keine luxuriösen Gerichte aufgetischt. Wer auch immer den Heiligen ProphetenSAW treffen wollte, konnte ihn problemlos aufsuchen. ErSAW saß auf dem Boden und stellte auch sein Essen auf den Boden. Er trug einfache, grob gewebte Kleidung. Er ritt auf einem Esel, ließ andere Personen hinter sich aufsitzen und leckte nach dem Essen seine Finger ab, um sie so zu säubern.
Hinsichtlich des Ableckens der Finger ist im Sahih Bukhari ein Hadith überliefert, in dem der Heilige ProphetSAW sagt, dass man nach dem Essen die Finger ablecken sollte, bevor man die Hände reinigt, also wäscht. Dementsprechend hat Hadhrat Zainul Abideen Waliullah Shah Sahib in seinem Kommentar zum Sahih Bukhari zum Thema „Finger ablecken“ eine Anmerkung verfasst, in der er Hadhrat Syed Dr. Mir Muhammad Ismail Sahib zitiert, welcher schreibt: „Es gehört zur Erfahrung aller weisen Ärzte, und alle Mediziner stimmen darin überein, dass die Finger der menschlichen Hand eine besondere Kraft des Tastsinns besitzen. Wenn wir beispielsweise die Weichheit eines Stoffes prüfen wollen, können wir dies nur mit den Fingern erfühlen. Zwar ist der gesamte Körper mit dem Tastsinn ausgestattet, doch wenn wir etwa mit den Füßen statt mit der Hand die Weichheit ertasten wollten, wären wir nicht vollends erfolgreich. Es gibt eine spezielle elektrische Wirkung, die nicht nur auf die Hand, sondern bis in die Finger hineinreicht – nicht nur auf die Hände beschränkt, sondern eben in den Fingern vorhanden ist. Die Finger haben eine besondere Verbindung zu den Augen, welche ein Instrument der Fokussierung sind. Deshalb richten jene, die sich in geistiger Konzentration üben, ihren Blick intensiv auf die Finger der Person, auf die sie einwirken.
So fokussieren jene, die Mesmerismus anwenden, ihre Blicke vorwiegend auf die Hände der Person, um durch die Finger ihre visuelle Wirkung auf das Medium zu übertragen. Auf diese Weise können sie die gewünschte Wirkung erzielen und in ihrem Vorhaben erfolgreich sein. Ebenso entfalten Medikamente, die von Hand zubereitet werden, eine stärkere heilende Wirkung.“ Heutzutage wird zwar alles maschinell hergestellt, doch zu jener Zeit behaupteten sowohl Ärzte als auch traditionelle Heiler genau dies. Dr. Ismail Sahib war zudem ein hochgebildeter Chirurg und Arzt, und er vertrat ebenfalls diese Ansicht. Solche Medikamente, sagte er, seien wirksamer als jene, die maschinell gefertigt werden.
„Nach genau demselben Prinzip fällt beim Essen der Blick des Menschen, jedes Mal wenn er einen Bissen mit den Fingern aufnimmt, auf die Fingerspitzen. Wenn der Mensch also nach dem Essen seine Finger ableckt, ohne die Füße oder Hände zu waschen oder sie an einem Tuch abzuwischen, ist es offensichtlich, dass diese Essenz über das an den Fingern haftende Fett in den Magen gelangt. Dort stärkt es die Magenfunktion, also die Verdauung, wodurch das Essen schneller verdaut wird.“ Dies war die damalige Theorie von Ärzten und Heilern. Ich weiß nicht, ob die heutigen Ärzte vielleicht dagegen sind, aber jedenfalls erklärte der Heilige ProphetSAW, dass es durch und durch nützlich ist, nach dem Essen das, was an den Händen haftet, abzulecken. In einer Überlieferung im Sahih Bukhari heißt es: فَلا يَمْسَحْ يَدَهُ حَتَّى يَلْعَقَهَا أَوْ يُلْعِقَهَا – „Er soll seine Hand nicht abwischen, bis er sie abgeleckt hat, oder er sagte: bis er sie ablecken lässt.“
Kommentatoren haben bezüglich des „Ablecken lassens“ durch eine andere Person geschrieben, dass damit gemeint sei, man solle die Finger von einem Diener, vom eigenen Sohn oder von einer Person ablecken lassen, die sich davor nicht ekelt. Doch welche Notwendigkeit besteht dafür? Derjenige, der das Essen verspeist hat, kann sie doch selbst ablecken. Die Verfasser von Kommentaren versteigen sich manchmal in völlig abwegige Erklärungen. Wie dem auch sei, es ist unangebracht und widerspricht der menschlichen Würde, jemand anderen aufzufordern: „Leck meine Finger ab.“ Es kann jedenfalls bedeuten, dass man nach dem Essen seine eigenen Finger ableckt und reinigt, und dass man auch diejenigen, für die man sorgt und die man erzieht, dazu anweist, ihre jeweiligen Finger ablecken und zu reinigen. So können sie von den medizinischen Vorteilen und den anderen Zwecken profitieren, die in dieser Anweisung des Heiligen ProphetenSAW verborgen sind.
Dienst in der Moschee und die Wahl der Dienerschaft Allahs
ErSAW empfand es auch nie als beschämend, Reinigungsarbeiten in der Moschee zu übernehmen. So berichtet Hadhrat Yaqub bin Zaid, dass der Gesandte AllahsSAW den in der Moschee aufkommenden Staub mit einem Stock beseitigte – was wohl bedeutet, dass er ein Tuch an der Spitze des Stocks befestigte, um damit abzuwischen und zu reinigen.
Hadhrat Abu Huraira berichtet: „Gabriel saß beim ProphetenSAW, als dieser gen Himmel blickte und einen Engel herabsteigen sah. Gabriel sagte: ‚Dies ist jener Engel, der seit dem Tag seiner Erschaffung bis zu diesem Moment noch niemals herabgekommen ist.‘ Als der Engel herabkam, sprach er: ‚O MuhammadSAW, Ihr Herr hat mich zu Ihnen gesandt. Allah fragt, ob Er Sie zu einem Prophetenkönig oder zu einem Prophetendiener machen soll.‘ Gabriel riet: ‚O MuhammadSAW, zeigen Sie Demut vor Ihrem Herrn.‘ Daraufhin sprach der ProphetSAW: ‚Nein, Er möge mich vielmehr als Propheten und Diener berufen.‘“
Dies entsprach ohnehin der Natur des ProphetenSAW. Selbst wenn Gabriel dies nicht gesagt hätte, hätte er genauso geantwortet. Dies war stets seine Lehre, und er erklärte seinen Anhängern stets: „Ich bin doch nur ein Mensch und Gesandter.“ Wie dem auch sei, die Bedeutung dieser Überlieferung ist, dass erSAW bei dieser Gelegenheit voller Demut antwortete, er wolle kein König und Gesandter sein, sondern vielmehr ein Diener Allahs, ein bescheidener Mensch und Sein Gesandter. Und genau dies wird in unserer Kalima zum Ausdruck gebracht.
Ermahnung zur Demut und Warnung vor Hochmut
Wie demütig ein wahrer Muslim sein sollte, zeigt eine Überlieferung von Hadhrat Iyadh bin HimarRA. Er berichtet, dass der Gesandte AllahsSAW sagte: „Wahrlich, Allah hat mir offenbart, dass ihr Demut üben sollt, damit niemand den anderen unterdrückt und sich niemand über den anderen stolziert.“
Sein wahrer Diener, der Verheißene MessiasAS, ermahnt uns mit den Worten: „Man muss sich Demut aneignen. Es ist nicht schwer, Demut zu erlernen; was gibt es da groß zu erlernen? Der Mensch ist doch von Natur aus hilflos und wurde einzig für die Demut erschaffen. مَا خَلَقۡتُ الۡجِنَّ وَالۡاِنۡسَ اِلَّا لِیَعۡبُدُوۡنِ – ‚Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen.‘ Hochmut und dergleichen sind künstliche Konstrukte. Wenn der Mensch diese Fassade ablegt, wird in seiner wahren Natur nur noch Demut sichtbar werden.“
Um uns zu ermahnen und den Rang der Demut des Heiligen ProphetenSAW zu beschreiben, führt der Verheißene MessiasAS an einer Stelle aus: „Allah ist äußerst gnädig und barmherzig. Er umsorgt den Menschen auf alle erdenklichen Arten und erweist ihm Barmherzigkeit. Gerade aufgrund dieser Barmherzigkeit sendet Er Seine Beauftragten und Gesandten, damit sie die Menschen dieser Welt aus ihrem sündhaften Leben erretten. Doch Hochmut ist eine überaus gefährliche Krankheit. Einem Menschen, in dem sie heranwächst, droht der spirituelle Tod. Ich weiß mit Gewissheit, dass diese Krankheit schlimmer ist als Mord. Ein arroganter Mensch wird zum Bruder Satans, denn es war ebenjene Arroganz, die Satan erniedrigt und verstoßen hat. Deshalb ist es eine Grundvoraussetzung für einen Gläubigen, dass er frei von Arroganz ist und stattdessen von Sanftmut, Demut und Bescheidenheit geprägt ist. Dies ist ein besonderes Merkmal der Beauftragten Gottes. Sie besitzen ein unübertroffenes Maß an Bescheidenheit und Demut, und diese Eigenschaft war beim Heiligen ProphetenSAW in höchstem Maße ausgeprägt.
Einer seiner Diener wurde einmal gefragt: ‚Wie behandelt er dich?‘ Er antwortete: ‚Die Wahrheit ist, er dient mir mehr, als ich ihm diene.‘ اللَّهُمَّ صَلِّ عَلَى مُحَمَّدٍ وَعَلَى آلِ مُحَمَّدٍ وَبَارِكْ وَسَلِّمْ – O Allah, schütte Deine Gnade aus über Muhammad und die Anhänger Muhammads und segne (sie) und schenke (ihnen) Frieden. Dies ist ein Vorbild an Moral, an hohen moralischen Eigenschaften und Bescheidenheit. Es ist auch eine Tatsache, dass sich unter den Nahestehenden meist die Diener befinden, die ständig um einen herum präsent sind. Wenn man also das Beispiel der Demut, Bescheidenheit und der Geduld von jemandem beurteilen möchte, kann man es am besten durch sie erfahren.
Manche Männer oder Frauen reagieren sofort aufbrausend, wenn einem Diener auch nur ein kleiner Fehler unterläuft – wenn etwa der Tee nicht gut geworden ist, fangen sie auf der Stelle an zu fluchen oder greifen gar zur Peitsche, um zuzuschlagen. Wenn in der Suppe nur ein wenig zu viel Salz ist, bricht über die armen Bediensteten gleich eine Katastrophe herein. Mit anderen armen Menschen hat man es dann zu tun, wenn sie vom Hunger geplagt sind und nur von trockenem Brot überleben müssen. Doch diese Wohlhabenden kümmern sich nicht um sie, obwohl sie von deren Zustand wissen. Sie stellen sie auf die Probe, wenn sie als Bittsteller zu ihnen kommen. Wenn ein Armer zu einem Reichen kommt, um etwas zu erbitten, setzt Allah den Reichen einer Prüfung aus. Wahre Tugend zeigt sich erst dann, wenn man ihre Bedürfnisse erfüllt. Allah ist der Schöpfer jedes noch so kleinen Atoms. Niemand kann sich mit Ihm messen. Erst im Umgang mit den Armen lässt sich bemessen, in welchem Ausmaß jemand Gottesfurcht besitzt oder bar jeglicher Gottesfurcht ist und welchen Anteil er daran nimmt oder nehmen wird. Wie groß die Gottesfurcht einer Person ist, zeigt sich in ihrem Umgang mit den Armen, und nicht daran, wie sie wohlhabende Menschen behandelt.“
Möge Allah uns befähigen, den Lehren und der Sunnah des Heiligen ProphetenSAW zu folgen und die Pfade der Demut zu beschreiten.
Nachruf und Totengebet
Nach dem Gebet werde ich ein Totengebet in Abwesenheit (Janaza Ghaib) leiten. Es ist für den geehrten Malik Dawood Mahmud Sahib, Sohn von Muhammad Ishaq Sahib aus Vehari, der zuletzt in Karachi lebte. Er ist vor einigen Tagen verstorben. اِنَّا لِلّٰہِ وَاِنَّا اِلَیۡہِ رٰجِعُوۡنَ – „Wahrlich, Allahs sind wir und zu Ihm kehren wir heim.“
Durch die Gnade Allahs war er ein Musi. Sein Großvater, Muhammad Din Sahib, stammte aus dem Dorf Barhtanwala im Bezirk Sialkot. 1914 legte er das Bai’at auf die Hand des Zweiten Kalifen ab. Malik Dawood Sahib selbst wurde die Ehre zuteil, auf lokaler Ebene als Sadr Jamaat, als Sekretär Mal und auch in der Majlis Ansarullah zu dienen. Er hinterlässt drei Töchter und vier Söhne. Einer seiner Söhne, Muhammad Akmal Sahib ist ein Missionar und dient in Gambia. Aufgrund seines Dienstes konnte er nicht am Totengebet seines Vaters teilnehmen.
Ebendieser Sohn und Murabbi Sahib, Akmal Sahib, schreibt: „Mein Vater war ein sehr gutmütiger, fröhlicher und lebenslustiger Mensch. Er hatte eine große Leidenschaft für die Tabligh-Arbeit. Wann immer er zu seinen Ländereien in Sindh reiste, suchte er nach Gelegenheiten, um Aufklärungsarbeit zu leisten, und vermittelte den Menschen dort die Botschaft.“ Solange in Pakistan noch keine strengen Gesetze erlassen worden waren, trug er stets Broschüren bei sich, betrieb unaufhörlich Aufklärungsarbeit und beeinflusste dadurch viele Menschen.
Er war äußerst gastfreundlich; jeden Gast – ob aus der Zentrale oder einen anderen Besucher – empfing und bewirtete er großzügig. Er hatte in seinem Haus ein Gebetszentrum eingerichtet, welches genutzt wurde, bis ein offizielles Gebetszentrum gebaut wurde, und es wurde stets für das Gemeinschaftsgebet gesorgt. Sein Sohn sagt, dass er nach dem Fajr-Gebet mit lauter Stimme den Heiligen Qur'an rezitierte. In einem seiner Gebetszentren nahmen auch Mitglieder anderer benachbarter Jamaats am Freitagsgebet teil.
Wenn er auf seine Felder und Ländereien ging, pflegte er zu sagen: „Ich verrichte an jeder Ecke meiner Felder freiwillige Gebete (Nawafil). Infolgedessen segnet Allah meine Ernte, sodass sie doppelt so groß ausfällt wie die anderer.“ Über das Haus, das er in seinem Dorf gebaut hatte, sagte er zu seinen Kindern: „Ich möchte dieses Haus dauerhaft der Jamaat stiften, damit es zu einem Zentrum der Jamaat wird.“ Später überschrieb er es der Jamaat tatsächlich. Seine Gastfreundschaft war eine seiner herausragendsten Eigenschaften. Der Dienst an den Mitmenschen, der vollkommene Gehorsam gegenüber der Jamaat und das stetige Hören der Freitagsansprachen zeichneten ihn besonders aus. Möge Allah ihm Vergebung gewähren. Amin.
Aktionsplan Missionary Incharge Büro
Wöchentlicher Umsetzungsplan basierend auf der Khutba
Die Demut Und Bescheidenheit Des Heiligen ProphetenSAW
مَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالْإِنْسَ إِلَّا لِيَعْبُدُونِ
„Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen.“
(Sūrat adh-Dhāriyāt, 51:57)
Hochmut und dergleichen sind allesamt nur künstliche Anmaßungen. Legt der Mensch diese künstliche Hülle ab, so wird in seiner eigentlichen Natur nichts anderes als Demut sichtbar werden.
(Malfūẓāt - Band 6, S. 228 f.)
Der Heilige ProphetSAW sagte:
„Was habe ich mit dieser Welt zu schaffen? Mein Gleichnis in dieser Welt ist nur das eines Reiters, der unter dem Schatten eines Baumes rastet, dann weiterzieht und ihn zurücklässt.“
Ferner erklärte der Heilige ProphetSAW:
„Wahrlich, Allah der Erhabene hat mir offenbart, dass ihr Demut annehmen sollt, bis dahin, dass keiner gegen den anderen Übergriff begeht und keiner sich über den anderen erhebt.“
Der Heilige ProphetSAW sagte: „Der Beste unter euch ist jener, der in der Rückzahlung seiner Schulden der Vorzüglichste ist.“
Doch heute entstehen manche Streitigkeiten gerade deshalb, weil Menschen nicht einmal die eigentliche Schuld begleichen, die sie zu entrichten haben, und darüber hinaus noch hadern und verlangen, dass selbst darin eine Verminderung vorgenommen werde. Wenn uns diese Dinge wahrhaft zum Verständnis gelangen würden, so würden viele unserer Streitigkeiten von selbst ein Ende finden.
Umsetzungsplan für diese Woche
Tatplan der Woche
Checkliste für den Alltag
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✓Übe diese Woche besondere Demut, indem du kleine Hausarbeiten oder Reinigungsaufgaben selbst erledigst, ohne sie auf andere zu delegieren.
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✓Befolge die Sunnah des Heiligen ProphetenSAW beim Essen, indem du deine Finger nach der Mahlzeit ablickst und so Bescheidenheit und Dankbarkeit zeigst.
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✓Achte in Versammlungen oder beim Betreten von Räumen darauf, dich dorthin zu setzen, wo Platz frei ist, anstatt nach einem Ehrenplatz zu streben.
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✓Begegne einem bedürftigen oder fremden Menschen mit besonderer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, um den Geist des Mitgefühls praktisch umzusetzen.
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✓Widme einen Teil deiner Zeit dem Gebet für andere und bitte auch deine Geschwister im Glauben, dich in ihre Gebete einzuschließen.