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In der Freitagsansprache vom 27. Februar 2026 sagte Seine Heiligkeit Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba):
Die Mission der Propheten und der Rang des Heiligen Propheten (saw)
Sämtliche Propheten kamen in diese Welt, um Tauhid (die absolute Einheit Gottes) zu etablieren, und sie alle lehrten dies ihren jeweiligen Völkern. Doch bedauerlicherweise gab die Mehrheit diesen Tauhid auf. Der Heilige Prophet (saw) brachte exakt dieselbe Botschaft; er kam, um ebendieses Werk fortzuführen und genau diesen Geist des Tauhid in seinen Anhängern zu wecken. Der hohe Rang, der dem Heiligen Propheten (saw) in dieser Hinsicht zukommt, gebührt niemandem sonst. Wenn er die Menschen ermahnte, an Tauhid zu glauben, dann lieferte er, geleitet von dem Wissen, das er von Allah erhalten hatte, überzeugende Argumente für dessen Annahme. Wenn er den Dschihad gegen den Schirk (die Beigesellung) führte, geschah dies nicht ohne Argument; vielmehr legte er die Bösartigkeit des Schirk dar, und erzeugte dadurch eine Abneigung dagegen. Seine Anhänger bewiesen durch ihre Taten, dass die Lehre des Tauhid und die Abscheu vor dem Schirk in all ihre Fasern und Adern übergegangen war. Dies lag daran, dass die Lehre, die Allah ihm offenbarte, derart allumfassend und wirkungsvoll war, dass es völlig ausgeschlossen war, ihre Tiefe zu begreifen und sich danach wieder von ihr zu entfernen.
Dass diese Lehre einen solchen Einfluss auf seine Anhänger hatte, lag an ihrer Wirkkraft, die wiederum darin begründet war, dass jedes seiner Worte und jede seiner Taten ein wahres Spiegelbild dieser Lehre darstellte. Er war das praktische Vorbild für die großartige Lehre, die Allah ihm in dieser Hinsicht verliehen hatte. Seine einzige Sorge war, dass die muslimische Ummah nicht jenem furchtbaren Sündenfall anheimfallen möge, in dem frühere Völker ihre Propheten zu Stätten der Niederwerfung (der Anbetung) gemacht hatten. Er suchte davor Zuflucht, jemals auf eine Stufe mit Allah gestellt zu werden, und ermahnte seine Ummah: „Macht mich niemals zu einem Mittel für Schirk. Euer Blick darf niemals auf jemanden anderen fallen als auf Allah.“ In den vergangenen Freitagsansprachen, in denen ich über die Liebe zu Gott oder das Thema des Gottesdienstes sprach, wiesen alle dargelegten Aspekte und jedes geschilderte Ereignis aus dem Leben des Heiligen Propheten (saw) auf den Tauhid hin. Aus ihnen wurde stets seine Leidenschaft und sein brennender Schmerz für die Etablierung des Tauhid ersichtlich. Dies spiegelt jenen allerhöchsten Rang hinsichtlich Tauhid wider, für den Allah ihn von Kindheit an erschaffen hatte.
Die Lehre des Tauhid im Heiligen Qur'an
Auch durch die vollkommene Lehre Allahs erkennen wir die wahre Tiefe dieses Tauhid. Im Heiligen Qur'an wird uns die Lehre des Tauhid immer wieder unter verschiedenen Aspekten vermittelt. So spricht Allah in der Sure Al-Anbiya:
وَمَاۤ اَرۡسَلۡنَا مِنۡ قَبۡلِکَ مِنۡ رَّسُوۡلٍ اِلَّا نُوۡحِیۡۤ اِلَیۡہِ اَنَّہٗ لَاۤ اِلٰہَ اِلَّاۤ اَنَا فَاعۡبُدُوۡنِ
„Und Wir haben vor dir keinen Gesandten geschickt, dem Wir nicht offenbart hätten: ‚Es gibt keinen Gott außer Mir, also betet Mich an.‘“ Die Methoden, wie ihm der Gottesdienst gelehrt wurde, und wie er Allah anbetete und dabei dem hohen Rang des Tauhid vollauf gerecht wurde – nicht einmal ein Zehntel davon ist in irgendeiner anderen Religion zu finden. Weiterhin spricht Allah im Heiligen Qur'an:
قُلۡ اِنِّیۡۤ اُمِرۡتُ اَنۡ اَعۡبُدَ اللّٰہَ مُخۡلِصًا لَّہُ الدِّیۡنَ
„Sprich: ‚Mir wurde geboten, Allah anzubeten und den Glauben für Ihn aufrichtig zu machen.‘“ Wenn also ein wahrer Muslim dies liest, wird auch er verkünden: „Ich werde Allah mit völliger Aufrichtigkeit anbeten, und mich für die Etablierung des reinen Tauhid einsetzen und jenem Vorbild folgen, das der Heilige Prophet (saw) mit dieser im Qur'an gebotenen Verkündung aufgestellt hat.“ Wenn wir gemeinsam mit der Etablierung des reinen Tauhid die Standards unserer Gebete aufrechterhalten, können wir eine Revolution herbeiführen; andernfalls bleibt alles nur Gerede. Nur dann werden wir zu Recht als wahre Monotheisten (Muwahhid) bezeichnet werden können. Weiter spricht Allah:
وَاعۡبُدُوا اللّٰہَ وَلَا تُشۡرِکُوۡا بِہٖ شَیۡئًا
„Und betet Allah an und stellt Ihm nichts zur Seite.“ An einer anderen Stelle spricht Allah:
وَاِلٰـہُکُمۡ اِلٰہٌ وَّاحِدٌ ۚ لَاۤ اِلٰہَ اِلَّا ہُوَ الرَّحۡمٰنُ الرَّحِیۡمُ
„Und euer Gott ist ein Einziger Gott; es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Gnädigen, dem Barmherzigen.“ Gegen Ende des Heiligen Qur'an verkündet Allah die Etablierung Seines Tauhid mit den Worten:
قُلۡ ہُوَ اللّٰہُ اَحَدٌ۔ اَللّٰہُ الصَّمَدُ۔ لَمۡ یَلِدۡ ۬ۙ وَلَمۡ یُوۡلَدۡ۔ وَلَمۡ یَکُنۡ لَّہٗ کُفُوًا اَحَدٌ۔
„Sprich: Er ist Allah, der Einzige; Allah, der Unabhängige und von allen Angeflehte. Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt; und keiner ist Ihm gleich.“ Allah hat hier die Zurückweisung jeglicher Form von Schirk verkündet und den Heiligen Propheten (saw) angewiesen, dies der Welt zu verkünden. Wenn nun auch seine Anhänger dies lesen, ist es auch unsere Pflicht, genau diesen reinen Tauhid zu verkünden, der in dieser Sure und an vielen anderen Stellen deklariert wird. Wir müssen der Welt durch unsere Worte und Taten zeigen, dass Allah der Eine ist und völlig unabhängig von allem ist, während alles andere von Ihm abhängig ist. Er ist niemandes Vater und niemandes Sohn, und es kann schlechthin niemanden geben, der Ihm gleicht. Dies ist eine Verkündung, die die entstellten Lehren jeder anderen Religion widerlegt. Es ist genau diese Lehre, durch deren Verkündung der Mensch die Nähe Allahs erlangen kann, und das allerhöchste und erhabenste Vorbild dafür ist unser Meister und Gebieter, Hadhrat Muhammad Mustafa (saw).
Die angeborene Reinheit und Abscheu vor dem Götzendienst
Jeder Moment seines Lebens war der Etablierung des Tauhid gewidmet. Wie ich bereits erwähnte, hatte Allah ihn schon von frühester Kindheit an für den reinen Tauhid erzogen. Dies waren nur einige wenige Beispiele aus dem Heiligen Qur'an, doch in Wahrheit ist der Heilige Qur'an voll von dieser Botschaft. Ich werde nun auch einige Begebenheiten aus dem Leben des Heiligen Propheten (saw) präsentieren – von seiner Kindheit bis zum Anspruch auf das Prophetentum und aus seinem weiteren Leben –, aus denen sein tiefer Schmerz und sein Bemühen für den Tauhid hervorgehen. Die Natur des Heiligen Propheten (saw) war so rein, dass die Liebe zum Tauhid ihm bis in die tiefsten Fasern seines Seins eingegangen war. Schon lange bevor er das Amt des Prophetentums bekleidete, verabscheute sein Wesen den Schirk und den Götzendienst zutiefst.
So wird in einer Überlieferung von Hadhrat Umm Ayman berichtet, dass „Buwanah“ ein Götze war, den die Quraisch sehr verehrten. Sie pflegten ihn aufzusuchen, ihm Opfer darzubringen und einmal im Jahr dort einen Tag lang I'tikaf (Einkehr) zu halten. Auch Abu Talib ging mit seinem Volk dorthin und wollte den Heiligen Propheten (saw) mitnehmen, doch er weigerte sich stets. Einmal jedoch waren seine Tanten väterlicherseits und Abu Talib sehr verärgert über ihn und sagten: „O Muhammad, was bezweckst du eigentlich? Wirst du nicht an dem Fest deines Volkes teilnehmen und so ihre Versammlung vergrößern?“ Auf das Drängen seiner Tanten hin ging er zwar einmal dorthin, kehrte jedoch völlig verängstigt zurück und sagte: „Ich habe dort einen überaus sonderbaren Anblick gesehen.“ Seine Tanten meinten: „Einem so rechtschaffenen Menschen kann der Satan doch nichts anhaben. Was hast du denn gesehen?“ Der Heilige Prophet (saw) berichtete, dass, sobald er sich dem Götzen nähern wollte, eine weißgekleidete Person ihm laut zurief: „O Muhammad, bleib zurück und berühre diesen Götzen nicht!“ Danach nahm der Gesandte Allahs (saw) nie wieder an einem polytheistischen Fest der Götzendiener teil, und Allah bewahrte ihn stets vor solch götzendienerischen Bräuchen.
Dies alles geschah noch vor dem Anspruch auf das Prophetentum. Als er in seiner Kindheit gemeinsam mit seinem Onkel Abu Talib auf einer Reise nach Syrien war, trafen sie den christlichen Mönch Bahira. Auf eine Frage des Mönchs antwortete der Heilige Prophet (saw): „Frage mich nicht nach den Götzen Lat und Uzza. Bei Gott, es gibt nichts, was ich mehr verabscheue als sie.“ Als der edle Prophet (saw) die Handelsgüter von Hadhrat Khadija nach Syrien brachte, verkaufte er diese Waren und erwarb im Gegenzug andere. Während dieser Reise kam es in einer Angelegenheit zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen ihm (saw) und einem anderen Mann. Dieser Mann forderte: „Schwöre bei Lat und Uzza – erst dann werde ich dir glauben. Lege diesen Schwur ab und bezeuge es.“ Daraufhin antwortete der Gesandte Allahs (saw): „Ich habe noch niemals bei diesen Götzen geschworen. Selbst wenn ich an ihnen vorbeigehe, wende ich mein Gesicht ab. Und du verlangst von mir, bei ihnen zu schwören? Wie könnte das jemals möglich sein?“
Die Einsamkeit in Hira und die göttliche Berufung
Um eben diesen Tauhid zu erlangen, zog er sich stets in die Höhle von Hira zurück, worüber bereits früher gesprochen wurde. Dort betete er zum Einzigen Gott und trug in seinem Herzen einen tiefen Schmerz für den Tauhid. Hadhrat Mirza Bashir Ahmad (ra) hat diese Szenerie einmal wie folgt beschrieben: Die Höhle von Hira befindet sich in einem der bekannten Berge Mekkas, dem Hira, etwa drei Meilen von Mekka entfernt. Heute wird er Dschabal an-Nur genannt. Der Heilige Prophet (saw) hasste die Götzen nicht nur zutiefst, sondern empfand auch großes Bedauern über die Götzendiener und über all jene, die sich fernab vom Einzigen, wahren Gott hielten. Er verspürte nicht nur für sich selbst eine Distanz, sondern auch tiefes Mitleid für die Menschen, weil sie Götzen anbeteten. Noch vor seiner Berufung pflegte er fernab der Siedlung in dieser Höhle Gott anzubeten.
Als der Heilige Prophet (saw) vierzig Jahre alt wurde, erschien eines Tages der Engel Gabriel, und die allererste Offenbarung kam auf den Propheten (saw) herab, wodurch Allah ihn zu Seinem Gesandten erwählte. Mit dieser ersten Offenbarung begann der Heilige Prophet (saw) sogleich, die Menschen zum Tauhid des allmächtigen Schöpfers zu rufen und gegen den Schirk zu predigen. Zu Beginn tat er dies jedoch nicht völlig offen, sondern begann sein Werk in absoluter Stille und beschränkte seine Lehre zunächst auf den Kreis seiner Bekannten.
Das Zeugnis des Verheißenen Messias (as) über den Heiligen Propheten (saw)
Der Verheißene Messias (as) sagt hierzu: „Folglich war unser Heilige Prophet Muhammad (saw) ein großer Krieger, der die Wahrheit zum Ausdruck brachte und diese so ein zweites Mal in der Welt verankerte. Kein anderer Prophet hat an dieser Ehre unseres Heiligen Propheten Muhammad (saw) teil, denn er fand die Welt in Dunkelheit vor und erst seine Ankunft wandelte diese Dunkelheit in ein strahlendes Licht um. Er blieb so lange am Leben, bis er dem Volk, zu dem er gesandt wurde, das Kleid des Shirk vom Leibe riss, um ihm das Gewand der Einheit Gottes überzustreifen. Es blieb jedoch nicht nur dabei, sondern es ging so weit, dass dieses Volk hochrangige Stufen des Glaubens erklomm und ein Exempel an Wahrhaftigkeit, Loyalität und Überzeugung statuierte, welches wir in keinem anderen Teil der Welt wiederfinden. Dieser große Erfolg wurde keinem anderen Propheten zuteil. Dies allein ist ein bedeutender Beweis für das Prophetentum von Muhammad (saw).
Er wurde zu einer Zeit gesandt, als die Welt in tiefer Dunkelheit eingehüllt war. Die Zeit verlangte nach einem Reformer und als er verstarb, hatten Millionen Menschen sich von Shirk und Götzendienst abgewendet und die Einheit Gottes und den geraden Weg aufgenommen. Und sicherlich war dieser Fortschritt ihm zuzuschreiben, denn er verwandelte das barbarische und gewalttätige Gesicht eines Volkes in ein barmherziges. Oder in anderen Worten, er lehrte Tieren Menschlichkeit und machte aus ihnen vernünftige Lebewesen und bildete sie weiter zu gottesfürchtigen Menschen. Er hauchte ihnen Spiritualität ein und verbündete sie mit dem wahrhaftigen Gott. Sie wurden auf diesem Wege Gottes wie Schlachtvieh hingerichtet und wie Ameisen unter den Füßen zertrampelt, dennoch ließen sie nicht vom Glauben ab. Stattdessen gingen sie nach jeder Drangsal noch einen Schritt weiter. Zweifellos war unser Heilige Prophet Muhammad (saw) hinsichtlich der Manifestation der Spiritualität ein zweiter Adam. Er war sogar der wahrhaftige „Adam“, durch dessen Hand alle menschlichen Fähigkeiten ihre Vollkommenheit erlangt haben und alle heilsamen Kräfte begannen, ihre Wirkung zu entfalten. Kein Zweig der menschlichen Natur blieb ohne Blüte. Der Ausdruck Khatm-e-Nabuwwat bezeichnet somit nicht nur das Ende einer zeitlichen Epoche durch seine Person, sondern bedeutet auch, dass alle Schönheit des Prophetentums in seiner Person ihre Vollendung gefunden hat.”
An einer anderen Stelle sagt er (as): „O mein Gott, tausendfacher Dank sei Dir, dass Du selbst uns den Weg zu Deiner Erkenntnis gewiesen und uns durch die Herabsendung Deiner reinen Bücher vor den Fehlern und Irrtürmern des Denkens und des Verstandes bewahrt hast. Und Segnungen und Friede seien auf dem Meister der Gesandten, Muhammad Mustafa (saw), sowie auf seiner Nachkommenschaft und seinen Gefährten, durch den Gott eine verlorengegangene Welt auf den geraden Weg leitete. Jener Erzieher und Gütige, der die vom Weg abgeirrte Schöpfung wieder auf den Pfad der Wahrheit brachte. Jener Gönner und Wohltäter, der die Menschen von der Heimsuchung des Schirk und der Götzen befreite. Jener leuchtende und Licht ausstrahlende Mensch, der das Licht des Tauhid in der Welt verbreitete. Jener weise Heiler seiner Zeit, der den Schritt der ruinierten Herzen wieder fest auf die Wahrhaftigkeit setzte. Jener edle und wundergleiche Mensch, der den Toten das Wasser des Lebens zu trinken gab. Jener Barmherzige und Gütige, der um der Ummah willen Leid ertrug und Schmerz auf sich nahm. Jener mutige Held, der uns aus dem Rachen des Todes riss. Jener sanftmütige und selbstlose Mensch, der in völliger Gottergebenheit sein Haupt neigte und seine eigene Existenz mit dem Staub vermengte. Jener vollkommene Monotheist und Ozean der spirituellen Erkenntnis, dem einzig und allein die Majestät Gottes gefiel und der alles andere als Gott aus seinem Blick verbannte. Jenes Wunder der Macht des Gnädigen, der – obwohl er des Lesens und Schreibens Unkundiger war – in den göttlichen Wissenschaften alle anderen übertraf und jedes Volk seiner Irrtümer und Fehler überführte.“
An noch einer weiteren Stelle sagt er (as): „Heute gibt es auf dem Antlitz der Erde dasjenige, das den Namen Tauhid trägt, in keiner Gruppierung außer in der Ummah des Heiligen Propheten (saw). Und außer dem Heiligen Qur'an gibt es keine Spur von irgendeinem anderen Buch, das zig Millionen Geschöpfe auf der Einheit Gottes verankert und sie mit vollkommener Ehrfurcht zu diesem wahren Gott führt. Jedes Volk hat sich seinen eigenen künstlichen Gott erschaffen. Der Gott der Muslime jedoch ist genau jener, der von Ewigkeit her existiert – unvergänglich, unveränderlich und in Seinen ewigen Eigenschaften exakt so, wie Er es schon immer war.“
Die heutige Verantwortung und der Monat Ramadan
Aber bedauerlicherweise vergisst heute auch die Ummah des Heiligen Propheten (saw) diese Ehrung des Tauhid, und der wahre Tauhid, wie Allah ihn lehrte und wie ihn uns der Heilige Prophet (saw) voller Schmerz und eindringlich ans Herz legte, ist in ihr nicht mehr vorhanden. Weil der reine Tauhid in Vergessenheit geraten ist, fehlt auch der aufrichtige Glaube an die Eigenschaften Allahs, der eigentlich das Markenzeichen eines Muslims sein sollte. In einer solchen Zeit ist es nun die Aufgabe derer, die an den wahrhaftigen Diener des Heiligen Propheten (saw) glauben, die wahre Essenz des Tauhid zu verinnerlichen und hierfür besondere Veränderungen in sich selbst hervorzubringen. Dies ist Ramadan, der besondere Monat des Gottesdienstes. In diesem Monat müssen insbesondere enorme Anstrengungen diesbezüglich unternommen und dafür gebetet werden. So wie der Heilige Prophet (saw) sich sein ganzes Leben lang für die Etablierung des Tauhid eingesetzt hat, so müssen auch wir, wenn wir beanspruchen, ihn zu lieben, ganz besondere Anstrengungen dafür unternehmen.
Der erste öffentliche Ruf und die Warnung an die Verwandten
Wie der Heilige Prophet (saw) auf Befehl Allahs sich um die Etablierung des Tauhid bemühte und welche Leiden er dafür ertrug, hat Hadhrat Musleh Mau'ud (ra) einmal auf folgende Weise geschildert: Im Heiligen Qur'an spricht Allah zu dem Heiligen Propheten (saw):
وَاَنۡذِرۡ عَشِیۡرَتَکَ الۡاَقۡرَبِیۡنَ۔
O Muhammad (saw), warne die Menschen in jedem Winkel der Welt, aber warne zuerst deine engsten Verwandten. Dies aus dem Grund, weil sie ein doppeltes Anrecht auf dich haben: Einmal, weil sie wie der Rest der Welt ins Verderben stürzen, und zum anderen, weil sie deine Verwandten sind und ihre Vorfahren dir gegenüber einst Gutes getan haben. Im Englischen gibt es ein bekanntes Sprichwort: „Charity begins at home“ – also Mildtätigkeit und Wohltätigkeit fangen zu Hause an. Dementsprechend sollte auch das Predigen und Ermahnen immer zuerst zu Hause beginnen.
So führte der Heilige Prophet (saw) dieses Gebot aus, indem er sich gemäß dem Brauch von Mekka auf den Berg Safa stellte und begann, die verschiedenen Stämme namentlich auszurufen. Zuerst rief er die Aal-e-Ghalib. Diese verließen die Heilige Moschee und versammelten sich am Fuß des Berges Safa. Zu diesem Zeitpunkt rief Abu Lahab dem Heiligen Propheten (saw) zu: „Die Aal-e-Ghalib sind nun da, sag, was immer du zu sagen hast.“ Doch der Heilige Prophet (saw) schenkte den Worten Abu Lahabs keinerlei Beachtung und rief nun die Mitglieder des Stammes Lu'ayy. Als sie eintrafen, rief Abu Lahab erneut: „Jetzt ist auch der Stamm Lu'ayy da, nun sag schon, was du willst.“ Aber auch diesmal würdigte der Gesandte Allahs (saw) seine Worte keiner Beachtung und rief stattdessen die Aal-e-Murrah, und so kamen auch diese. Dann rief er die Aal-e-Kilab und die Aal-e-Qusayy, bis sich schließlich alle Menschen versammelt hatten. Selbst diejenigen, die nicht persönlich erscheinen konnten, schickten ihre Abgesandten, um in Erfahrung zu bringen und ihnen zu berichten, zu welchem Zweck sie heute alle zusammengerufen worden waren.
Als alle Stämme Mekkas einschließlich der Quraisch vollständig versammelt waren, begann der Heilige Prophet (saw) seine Ansprache an sie und sagte: „Hört her! Wenn ich euch nun sagen würde, dass sich hinter diesem Berg ein riesiges Heer gesammelt hat, das beabsichtigt, euch anzugreifen – würdet ihr meinen Worten Glauben schenken oder nicht?“ Sie antworteten: „Warum denn nicht? Wir werden dir absolut glauben, denn wir haben dich immer als wahrhaftig und ehrlich kennengelernt.“ Wer die Gegebenheiten von Mekka kennt, weiß sehr gut, dass die Frage des Heiligen Propheten (saw) im Grunde der Aufforderung gleichkam, etwas völlig Unmögliches für möglich zu halten, da die Tiere der Mekkaner genau in jenem Tal grasten und es ein Gelände war, in dem es schlechterdings unmöglich war, dass ein ganzes Heer unbemerkt verborgen blieb. Doch die Wahrhaftigkeit des Propheten (saw) hatte einen so großen Einfluss auf diese Menschen, dass sie sagten: „Selbst wenn unsere eigenen Augen sich weigern sollten, dies für möglich zu halten, werden wir deinen Worten dennoch glauben, denn deine Ehrlichkeit gilt für uns als unbestritten.“
Als sie sich einstimmig über dieses tiefe Vertrauen und diesen Glauben in ihn äußerten, sagte der Heilige Prophet (saw): „So hört her! Ich überbringe euch eine überaus wichtige Nachricht und diese Nachricht lautet: Ich bin von Allah dem Erhabenen als Gesandter geschickt worden. Daher fordere ich euch auf: Wenn ihr vor der Strafe Allahs bewahrt bleiben wollt, so leistet mir Folge.“ Kaum hatte er dies ausgesprochen, als Abu Lahab in rasendem Zorn ausrief:
تباً لک سائر الایام الھذا جمعتنا؟
Das bedeutet: Gott bewahre, Verderben komme über dich für alle Tage – hast du uns nur wegen dieser trivialen Sache hier zusammengerufen? Ebenso begannen auch die anderen, sich über ihn lustig zu machen, zu spotten, und zerstreuten sich. Doch dieser Hohn und diese Feindseligkeit konnten ihn nicht davon abhalten, seine rastlosen Bemühungen für die Etablierung des Tauhid fortzusetzen. Er hielt unermüdlich an seinem Bestreben fest.
Der Widerstand der Heere der Finsternis
Wie ich bereits darlegte, kam es erst zu Spott, und daraufhin nahm auch die offene Feindschaft extrem zu. Die Geschichte dieser massiven Anfeindung hat Hadhrat Mirza Bashir Ahmad (ra) unter Berufung auf historische Quellen wie folgt dargelegt: So überaus großartig die Mission war, mit der der Heilige Prophet (saw) in die Welt kam, exakt so gewaltig musste folglich auch der Widerstand gegen ihn sein. Denn er wurde in einer Zeit entsandt, als die Finsternis besonders stark war, und es war geradezu unausweichlich, dass die Heere der Finsternis mit ihrer gesamten Kraft gegen das Erscheinen des Lichts ankämpfen würden. Und genau so geschah es: Im Vergleich zu allen vergangenen Propheten war die Feindschaft und der Widerstand gegen ihn bei weitem am stärksten. Einer der offensichtlichen Gründe für diesen Widerstand lag darin, dass die Quraisch ein in höchstem Maße götzendienerisches Volk waren. Die Ehre und die Liebe zu ihren Götzen waren dermaßen tief in ihren Herzen verwurzelt, dass sie es nicht im Geringsten ertragen konnten, auch nur ein einziges Wort gegen sie zu hören. Die Kaaba, die einzig und allein für die Anbetung Allahs erbaut worden war, hatten diese Missetäter mit Hunderten von Götzen gefüllt, und für all ihre Bedürfnisse schauten sie hoffnungsvoll zu eben diesen Götzen auf. Als nun der Islam erschien, war sein absolutes Fundament der Tauhid (die Einheit Gottes), und er verkündete den klaren Befehl, sich vor keinem Menschen, keinem Baum, keinem Stein und keinem Stern niederzuwerfen.
وَاسۡجُدُوۡا لِلّٰہِ الَّذِیۡ خَلَقَہُنَّ
Dass man sich nur vor dem Einen Wesen verbeugen soll, das all diese Dinge erschaffen hat. Aber das war noch nicht alles: Die Götzen der Quraisch wurden zudem mit Worten bezeichnet, die sie als beleidigend empfanden, indem man diese Götzen als Brennstoff für die Hölle deklarierte. Diese Worte entzündeten ein rasendes Feuer in den Herzen der Quraisch, und sie erhoben sich als eine vereinte Front mit dem einzigen Ziel, den Islam vollends auszulöschen. Es gab zwar noch viele weitere Gründe, aber dies war zweifellos der Hauptgrund.
Der Verheißene Messias (as) sagt hierzu: „Wenn ein Prophet oder Gesandter von Gott berufen wird und seine Anhängerschaft den Menschen als eine vielversprechende, rechtschaffene, mutige und stetig voranschreitende Gruppe erscheint, dann erwacht zwangsläufig eine Art von Groll und Neid in den Herzen der bereits existierenden Völker und Gruppierungen. Insbesondere die Gelehrten und Gurus einer jeden Religion zeigen großen Groll, weil das Erscheinen dieses Mannes Gottes ihre Einnahmequellen und ihren gesellschaftlichen Status beeinträchtigt. Ihre Schüler und Anhänger beginnen, aus ihrem Netz auszubrechen, weil sie all die religiösen, moralischen und intellektuellen Qualitäten in eben jenem Menschen finden, der von Gott gesandt wird. Die Schüler verlassen sie und wenden sich jenem Mann Gottes zu – jene, die von edler und frommer Natur sind. Dementsprechend beginnen die Menschen von Verstand und Einsicht zu begreifen, dass jene Ehre, die diesen Gelehrten einst aus einer Illusion von angeblichem Wissen, Rechtschaffenheit und Frömmigkeit entgegengebracht wurde, ihnen nun nicht mehr gebührt. Und die ehrenvollen Titel, die ihnen verliehen worden waren – wie ‚Stern der Ummah‘, ‚Sonne der Ummah‘ und ‚Scheich der Scheiche‘ –, nun nicht mehr auf sie zutreffen. Aus all diesen Gründen wenden sich die vernünftigen Menschen von ihnen ab, da sie ihren eigenen Glauben nicht vergeuden wollen. Dies ist das Handeln derer, die annehmen und von frommer Natur sind.
Notgedrungen und aufgrund dieser massiven Verluste hat die Klasse der Gelehrten und spirituellen Führer seit jeher Neid gegen die Propheten und Gesandten gehegt. Der Grund dafür ist, dass diese Leute zu Zeiten der Propheten und Beauftragten Gottes entlarvt werden, da sie in Wahrheit extrem fehlerhaft sind und nur einen verschwindend geringen Anteil an göttlichem Licht besitzen. Ihre Feindschaft gegenüber den Propheten und Rechtschaffenen ist rein egoistisch. Völlig den Begierden ihres eigenen Egos unterworfen, schmieden sie finstere Pläne, um Schaden anzurichten. Oft spüren sie tief in ihren eigenen Herzen sehr wohl, dass sie, indem sie einen reinen und unschuldigen Diener Gottes ungerechtfertigt quälen, den Zorn Gottes auf sich gezogen haben. Auch ihre eigenen Taten, die ununterbrochen aus feindseligen Machenschaften bestehen, spiegeln ihnen den schuldigen Zustand ihres eigenen Herzens wider. Dennoch zieht der rasende Motor des flammenden Neids sie immer weiter in den Abgrund der Feindschaft hinab. Dies waren exakt jene Ursachen, die zur Zeit des Heiligen Propheten (saw) die Gelehrten der Polytheisten, der Juden und der Christen nicht nur davon abhielten, die Wahrheit anzuerkennen, sondern sie zu einer extremen Feindschaft veranlassten.“
Standhaftigkeit inmitten von Verfolgung
Deshalb setzten sie alles daran, den Islam von der Erdoberfläche zu tilgen. Und da die Muslime in der Frühzeit des Islam nur wenige waren, behandelten ihre Gegner – angetrieben von eben jener Arroganz, die naturgemäß in den Herzen und Köpfen solcher Gruppierungen wurzelt, welche sich aufgrund von Reichtum, Besitz, zahlenmäßiger Überlegenheit, Ehre und Rang anderen überlegen wähnen – die Muslime jener Zeit (also die Sahaba) mit grausamster Feindschaft. Sie wollten unter keinen Umständen zulassen, dass diese himmlische Pflanze auf Erden Wurzeln schlägt. Stattdessen setzten sie all ihre Kraft bis zum Äußersten ein, um diese rechtschaffenen Menschen zu vernichten, und ließen keine noch so perfide Methode der Folter und Peinigung aus. Sie befürchteten, dass diese Religion Fuß fassen und ihr Wachstum zur endgültigen Zerstörung ihrer eigenen Religion und Nation führen könnte. Aus genau dieser Angst, die in einschüchternder Form tief in ihren Herzen nistete, verübten sie die tyrannischsten und grausamsten Taten und ermordeten zahlreiche Muslime auf schmerzvolle Weise. Über einen sehr langen Zeitraum hinweg, der volle dreizehn Jahre andauerte, bestand ihr Verhalten aus exakt diesem Vorgehen. Auf gnadenlose Art und Weise wurden die loyalen Diener Gottes und der Stolz der gesamten Menschheit von diesen bestialischen Ungeheuern mit Schwertern zerstückelt. Verwaiste Kinder und hilflose, wehrlose Frauen wurden auf offener Straße und in den Gassen abgeschlachtet.
Trotz all dem gab es vonseiten Allahs den strikten Befehl, dem Bösen in keiner Weise mit Gegenwehr zu begegnen. Und diese auserwählten Rechtschaffenen hielten sich strikt daran. Die Straßen färbten sich rot von ihrem Blut, doch sie atmeten keinen Ton des Protests; sie wurden wie Opfertiere geschlachtet, stießen jedoch nicht einen einzigen Seufzer der Klage aus. Um ihn an der Verbreitung der Botschaft des Tauhid zu hindern, drohten die Ungläubigen Mekkas dem Heiligen Propheten (saw) und versuchten, ihn in Versuchung zu bringen. Doch seine Antwort war stets ein und dieselbe: „Genau dies ist der Sinn meines Lebens – den Tauhid in der Welt zu etablieren. Genau dafür hat Allah mich gesandt.“
Die moralischen Auswirkungen des Tauhid
Hadhrat Musleh Mau'ud (ra) hat dazu an einer Stelle geschrieben: „Als die Anfeindungen immer heftiger wurden und der Heilige Prophet (saw) und seine Gefährten den Bewohnern von Mekka beharrlich diese Botschaft Gottes überbrachten – dass der Schöpfer dieser Welt der Eine Gott ist und es keinen anderen Gott neben Ihm gibt, dass alle vergangenen Propheten die Einheit Gottes verkündet haben und ihre Völker ebenfalls zu eben dieser Lehre gerufen haben. Glaubt an den Einzigen Gott! Verlasst diese steinernen Götzen, denn sie sind absolut nutzlos und besitzen keinerlei Macht. O ihr Bewohner von Mekka, seht ihr denn nicht: Wenn ein Schwarm Fliegen sich auf die Opfergaben setzt, die vor ihnen liegen, so haben diese Götzen nicht einmal die Macht, diese Fliegen zu verscheuchen. Wenn jemand sie angreift, können sie sich nicht selbst verteidigen. Wenn jemand sie etwas fragt, können sie nicht antworten. Wenn jemand sie um Hilfe bittet, können sie nicht helfen. Doch der Eine Gott erfüllt die Bedürfnisse der Bittenden. Er antwortet denen, die Ihn anrufen. Er steht denen bei, die Seine Hilfe suchen, Er unterwirft Seine Feinde und gewährt Seinen anbetenden Dienern die allerhöchsten Fortschritte. Von Ihm geht jenes Licht aus, das die Herzen Seiner Anbeter hell erstrahlen lässt. Warum also verlasst ihr einen solchen Gott und werft euch vor leblosen Götzen nieder, und vergeudet so euer gesamtes Leben? Erkennt ihr denn nicht, dass durch die Abkehr von Gottes Tauhid auch eure Gedanken verunreinigt und eure Herzen in Finsternis gehüllt wurden? Ihr seid in den unterschiedlichsten, von Irrglauben geprägten Lehren gefangen. Warum nistet all dieser Aberglaube in euren Herzen? Weil ihr den Tauhid aufgegeben habt. Ihr besitzt nicht einmal mehr die Fähigkeit, zwischen Halal (Erlaubtem) und Haram (Verbotenem) zu unterscheiden. Ihr könnt nicht mehr zwischen Gut und Böse differenzieren. Ihr entehrt eure eigenen Mütter, unterdrückt eure Schwestern und Töchter und verwehrt ihnen ihre gottgegebenen Rechte. Ihr geht nicht gut mit euren Ehefrauen um. Ihr raubt die Rechte der Waisen und behandelt Witwen schlecht. Ihr unterdrückt die Armen und Schwachen und trachtet danach, eure eigene falsche Größe darauf zu errichten, indem ihr anderen ihre Rechte raubt. Ihr schämt euch nicht für Lügen und Betrug. Ihr empfindet keine Abscheu vor Diebstahl und Raubüberfällen. Glücksspiel und Alkoholkonsum sind eure Freizeitbeschäftigung. Ihr schenkt der Aneignung von Wissen und dem Dienst an der Nation keinerlei Beachtung. Wie lange wollt ihr dem Einzigen Gott gegenüber noch unachtsam sein? Kommt her, reformiert euch selbst und lasst von diesen Ungerechtigkeiten ab! All diese Übel haben sich in euch eingenistet – reformiert sie!“
Auch in der heutigen Zeit gilt: Diejenigen, die Träger dieser Übel sind, sind dies einzig und allein aufgrund ihrer Distanz zur Einheit Gottes. In welchen Völkern auch immer solche Übel existieren – selbst wenn sie vielleicht die eine oder andere gute Eigenschaft besitzen –, so findet sich doch ein Großteil genau jener Laster, die ich gerade aufgezählt habe, in ihnen. Und der Grund dafür ist, dass sie weit vom Tauhid entfernt sind. Bedauerlicherweise befindet sich auch ein Teil der Muslime in genau diesem Zustand.
Weiter sagte er (ra): „Der Weg, um die Nähe Gottes zu erlangen, besteht darin, jedem Berechtigten sein ihm zustehendes Recht zu geben.“ Dies ist ein überaus wichtiger Punkt. „Wenn Gott dir Reichtum verliehen hat, dann gib ihn für den Dienst an der Nation sowie für den Fortschritt der Schwachen und Armen aus. Respektiert die Frauen und gebt ihnen ihre Rechte. Betrachtet die Waisen als eine Treuhandschaft Allahs und seht die Fürsorge für sie als eine Tugend höchsten Grades an. Werdet zu einer Stütze für die Witwen. Etabliert Tugendhaftigkeit und Taqwa (Gottesfurcht). Macht nicht nur Gerechtigkeit und Fairness zu eurem Leitprinzip, sondern ebenso Barmherzigkeit und Güte. Es darf nicht nur bloße Gerechtigkeit herrschen, sondern es muss auch Barmherzigkeit und Güte vorhanden sein – das ist die Lehre eines Gläubigen. Eure Existenz auf dieser Erde darf nicht sinnlos verstreichen. Hinterlasst edle Spuren, sodass der Same der dauerhaften und immerwährenden Güte gesät wird. Wahre Ehre liegt nicht darin, nur Rechte für sich selbst einzufordern, sondern im Erbringen von Opfern und in Selbstlosigkeit. Strebt nicht nur danach, Rechte zu erlangen – Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit sind ebenso essenziell. Wenn ihr Opfer bringt, werdet ihr Gott nahe sein. Zeigt ein lebendiges Vorbild der Selbstlosigkeit gegenüber den Dienern Gottes, damit euer eigenes Recht bei Gott gefestigt wird.“ Dies sind die unverkennbaren Zeichen dafür, dass man fest im wahren Tauhid verwurzelt ist.
Die Entscheidung: Weltliche Macht oder göttlicher Tauhid
„Zweifellos sind wir schwach, aber schaut nicht auf unsere Schwäche.“ Auch dies hat der Heilige Prophet (saw) verkündet. Das Dekret, dass die Wahrheit regieren wird, ist im Himmel bereits gefallen. Nun wird durch Hadhrat Muhammad (saw) die Waagschale der wahren Gerechtigkeit aufgestellt, und es wird eine Regierung der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit etabliert werden, in der niemandem Unrecht zugefügt wird. Es wird keinerlei Zwang in religiösen Angelegenheiten geben. Das Leid und die Unterdrückung von Frauen und Sklaven werden vollständig ausgemerzt. Und das Reich Satans wird durch das Reich des Einzigen Gottes ersetzt werden.
Als den Einwohnern Mekkas diese revolutionären Lehren immer und immer wieder verkündet wurden und immer mehr Menschen von edlem Charakter sich dem Islam zuneigten, versammelten sich eines Tages die Anführer Mekkas und traten vor seinen Onkel Abu Talib. Sie sagten zu ihm: „Sie sind unser Anführer, und aus tiefem Respekt vor Ihnen haben wir Ihrem Neffen Muhammad (saw) bisher nichts angetan. Doch nun ist der Moment gekommen, um eine endgültige Entscheidung mit Ihnen zu treffen. Entweder Sie bringen ihn zur Vernunft und fragen ihn klipp und klar, was er eigentlich von uns will. Wenn es sein Ziel ist, Ehre und Macht zu erlangen, so sind wir sofort bereit, ihn zu unserem obersten Herrscher zu machen. Wenn er nach Reichtum strebt, ist jeder Einzelne von uns bereit, ihm einen Teil seines eigenen Vermögens zu überlassen. Wenn er den Wunsch hat zu heiraten, soll er nur den Namen irgendeiner jungen Frau in ganz Mekka nennen, die ihm gefällt, und wir werden sie sofort mit ihm verheiraten. Als Gegenleistung verlangen wir absolut nichts von ihm und werden ihn auch von keinerlei Vorhaben abhalten. Das Einzige, was wir fordern, ist, dass er aufhört, unsere Götzen zu verunglimpfen. Er darf zweifellos sagen, dass Gott Einer ist, aber er darf nicht sagen, dass unsere Götzen verwerflich sind. Wenn er auch nur diese eine Bedingung akzeptiert, schließen wir sofort Frieden mit ihm. Erklären Sie es ihm und bringen Sie ihn dazu, unseren Vorschlag anzunehmen. Andernfalls wird es nur noch eine von zwei Möglichkeiten geben: Entweder Sie müssen ihren eigenen Neffen aufgeben, oder aber Ihr Volk wird Ihre Führerschaft nicht länger anerkennen und sich endgültig von Ihnen abwenden.“
Für Abu Talib war diese Situation unerträglich schwer. Die Araber besaßen ohnehin nur wenig materielle Güter; ihre gesamte Erfüllung und ihr Lebenssinn lagen in ihrer Führungsposition. Die Anführer lebten für das Volk, und das Volk lebte für seine Anführer. Als Abu Talib diese Worte hörte, überkam ihn große Beunruhigung. Er ließ den Heiligen Propheten (saw) zu sich rufen und sagte zu ihm: „O mein geliebter Neffe, mein Volk ist zu mir gekommen und hat mir diese Botschaft überbracht. Und sie haben mir unmissverständlich klar gemacht: Wenn mein Neffe in nicht einem einzigen dieser Punkte einlenkt (sie haben aufgezählt, was sie alles zu geben bereit sind), wenn er all dies ausschlägt und von seinem Weg nicht ablässt, dann ist es meine Pflicht, ihn aufzugeben. Und wenn ich mich weigere, ihn aufzugeben, dann werden sie mir meine Führerschaft entziehen und mich verstoßen.“ Als Abu Talib diese Worte sprach, traten ihm Tränen in die Augen. Beim Anblick der Tränen seines Onkels füllten sich auch die Augen des Heiligen Propheten (saw) mit Tränen, und er antwortete: „O mein Onkel! Ich verlange keineswegs von dir, dass du dein Volk für mich aufgibst und an meiner Seite bleibst. Du kannst dich jederzeit von mir abwenden und dich deinem Volk anschließen. Doch ich schwöre bei dem Einen, partnerlosen Gott: Selbst wenn sie die Sonne auf meine rechte Hand und den Mond auf meine linke Hand legen würden, werde ich nicht im Geringsten davon ablassen, den Tauhid Gottes zu predigen. Ich werde unermüdlich meine Pflicht erfüllen, bis Gott mir den Tod gewährt. Was deine eigenen Interessen betrifft, so bist du völlig frei, selbst darüber zu entscheiden.“
Diese zutiefst von Glauben und bedingungsloser Aufrichtigkeit geprägte Antwort reichte völlig aus, um Abu Talib die Augen zu öffnen. Er erkannte klar und deutlich: Auch wenn ihm selbst nicht die Möglichkeit vergönnt war, diesen Glauben anzunehmen, so war es doch der allergrößte Schatz, überhaupt Zeuge eines solchen phänomenalen Glaubens zu werden. So sagte er: „O mein Neffe, geh und erfülle weiterhin deine Pflicht! Wenn das Volk mich verlassen will, so lass sie mich verlassen; ich aber werde dich niemals verlassen.“
Fazit: Der Ruf „Ahad, Ahad“ und unsere Pflicht
Für die Etablierung des Tauhid ertrug der Heilige Prophet (saw) jedwede Form von Grausamkeit und brutalen Übergriffen seitens der ungläubigen Mekkaner. Und exakt diesen Geist pflanzte er auch tief in die Herzen seiner Sahaba ein, wie auch der Verheißene Messias (as) es eindrucksvoll beschrieben hat. Sie ließen sich eher die Köpfe abschlagen, deren Konsequenz darin bestand, dass sie – den Ruf „Ahad, Ahad (Einer, Einer)“ auf den Lippen – jede noch so grausame Unterdrückung erduldeten und ihr Leben opferten. All jene Untugenden der mekkanischen Ungläubigen, die gerade erwähnt wurden, resultierten einzig und allein aus ihrer Distanz zum Tauhid und aufgrund des Götzendienstes.
Und auch heute gilt: In welchen Nationen oder Menschen diese Übel vorherrschen, so wie ich es vorher schon erwähnt habe, so liegt der Grund dafür in ihrer Ferne zum Tauhid. Daher ist es in unserer heutigen Zeit unsere Pflicht, den Tauhid unaufhörlich zu verkünden. Parallel zur Verbreitung dieser Botschaft des Tauhid müssen wir auch ernsthaft versuchen, eine sichtbare und tiefgreifende spirituelle sowie moralische Veränderung in uns selbst herbeizuführen. Erst dann können wir wirklich als Anhänger des wahren Tauhid und als diejenigen bezeichnet werden, die den Geboten Allahs folgen. Möge Allah uns allen die Fähigkeit dazu verleihen. Amin.
Tatplan der Woche
Checkliste für den Alltag
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✓Prüfe deine Absichten im Alltag kritisch darauf, ob du unbewusst andere Ziele oder Personen (versteckter Schirk) neben die Liebe zu Allah stellst.
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✓Nutze diesen Ramadan, um die Qualität deiner Gebete zu steigern und Allah mit völliger Aufrichtigkeit (Ikhlas) anzubeten.
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✓Übe dich in aktiver Selbstlosigkeit, indem du die Rechte anderer (besonders von Frauen, Waisen und Bedürftigen) über deine eigenen Ansprüche stellst.
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✓Verpflichte dich zu absoluter Wahrhaftigkeit in deinen Worten und Taten, um den reinen Tauhid praktisch widerzuspiegeln.
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✓Lies regelmäßig im Heiligen Qur'an, um die verschiedenen Aspekte der Einheit Gottes tiefer zu verinnerlichen.
Khutba für Kinder
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